Bemerkenswert

Endlose Liste offener Harry-Potter-Fragen

Da ich leider vollkommen besessen bin von Harry Potter (das Original, Teil 1 bis 7, als Buch, Hörbuch und Film), lese/höre/sehe ich es auch ständig. Dementsprechend fallen mir Dinge auf, die mir im Laufe der Zeit nicht ganz klar sind. Möglicherweise sind die Antworten längst gegeben worden, aber ich habe sie leider verpasst.

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Fährt der Hogwarts-Express eigentlich regelmäßig?

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Home is where…

Ich steige aus dem Zug und atme ein. Das ist natürlich dumm, denn die anderen Menschen wollen auch aussteigen und vor allem weiter gehen, aber ich muss jetzt kurz riechen ob ich hier richtig bin. Bin ich. Es riecht kalt, dreckig und lebendig.

An meine Reisetasche geklammert bahne ich mir meinen Weg durch die Menschen, die jetzt ihrerseits im Weg rumstehen. Begrüßungsküsschen hier, Orientierungslosigkeit dort. Das kenne ich. Ich war mal eine von ihnen. Es kommt mir vor als sei es eine Ewigkeit her, doch tatsächlich wohne ich erst drei Jahre hier.

Vor den Türen des Bahnhofs angekommen fummele ich als erstes eine Zigarette aus meiner Jackentasche. Es ist kalt geworden in den drei Tagen, die ich nicht da war. Andere nennen es Heimaturlaub, also Urlaub in der Heimat, bei Mama und Papa, zwischen den landschaftlichen Erinnerungsstücken an Dinge, die man sonst angestrengt verdrängt. Ich nenne es auch Heimaturlaub, doch für mich bedeutet es Urlaub von der Heimat. Meine Stadt und ich stehen in einer intimen Beziehung, wir sehen uns jeden Tag, und diese drei Tage Auszeit voneinander steigern die Wiedersehensfreude ins Unermessliche.

Mein Bruder steht auch in einer intimen Beziehung, aber mit einem Menschen. Er versteht nicht, wieso ich mich nicht an ein Lebewesen binden will, sondern lieber an einen Ort. Ich verstehe nicht wie er sich an einen Menschen binden kann, mit dem er schon an allen drei Bushaltestellen seines winzigen Heimatdorfs heimlich gemeinsam gesoffen und gekotzt hat.

Ich ziehe tief an meiner Zigarette. Vor dem Bahnhof ist eine Bushaltestelle. Gesoffen wird hier eigentlich immer. Vielleicht gehört das einfach zum Konzept von Bushaltestellen. Jemand hat „Steffi + Jan“ mit Silberedding über den Fahrplan geschrieben. Das ist mir egal, den Plan kann ich sowieso auswendig, ich bin ja kein Touri. Der Busfahrer hat gute Laune und fährt, wie man das eben in einer Stadt wie dieser machen muss, risikofreudig.

Die Fahrt ist immer auch ein bisschen Menschen-Sightseeing. Welche Menschen sind gerade in meinem Kiez unterwegs? Kenn ich die? Mag ich die? Sehen die aus als würde ich ihnen begegnen wollen, wäre ich jetzt auch draußen auf der Straße und nicht drinnen im Bus? Die Antwort ist immer wieder ja.

Das Haus, in dem ich wohne, steht an einer viel befahrenen Straße in einer Reihe mit anderen nichtssagenden Häusern, die sehr hoch, sehr dreckig und sehr voll sind. Die Wohnungen darin sind klein. Meine auch. Sie liegt im dritten Stock, zu dem natürlich kein Fahrstuhl führt. Dafür sind die Treppen schön flach und aus Holz, und sie knarzen.

Holz ist das zentrale Thema in diesem Haus, in dieser Stadt, die sonst ganz aus Stein und bunten Lichtern besteht. Meine Wohnung hat Holztüren, Einbauschränke aus Holz, sogar der Klodeckel ist aus Holz. Aber auch neu, hat der Vermieter gesagt. Die Wände sind weiß geblieben. Ich habe sie einfach mit bunten Bildern vollgehängt. Außerdem unterstützt das Weiß mein holziges Highlight: den Fußboden aus dunklem Parkett.

Ich habe nicht viele Möbel. Bett, Schrank, Esstisch mit zwei ganzen Stühlen, ein Schreibtisch, der schon in der Stube meines Urgroßvaters stand. Statt eines Sofas habe ich ein weiteres Bett in mein Wohnzimmer gestellt. Unter den vielen Kissen erkennt man das aber kaum.

Mein Lieblingsplatz ist in meinem winzigen Schlafzimmer. Am Fußende des Bettes, zwischen Schrank und einem Spiegel, auf dem Boden sitzend mit dem Rücken an die Wand gelehnt, hat man den perfekten Blick aus dem Fenster. Ich kann direkt durch alle Häuserreihen durch gucken, bis zum Horizont. Die vielen Lichter, die dort niemals verlöschen, sind keine Sterne. Sie sind andere Menschen, andere Leben, andere Träume. Sie sind die beste Gesellschaft für jemanden, die unterwegs auf der Suche nach Glück zufällig ein Zuhause für das Herz findet.

 

 

 

Lara (IV)

Lara starrt ins Leere. Das macht sie oft, das kann sie gut. Besonders schwer ist es aber auch nicht. Starren ist ein Prozess, in dem genau nichts passiert. Es ist kein romantisches „den Gedanken nachhängen“, es ist nicht hoch konzentriertes „in Gedanken versunken“ auf den nächsten Geniestreich hinarbeitend. Es ist einfach nur Starren. Es könnte auch Schlaf sein, aber die Augen sind ja auf.

Lara merkt nichts, wenn sie so ins Leere starrt. Sie merkt nicht, ob auf der Straße in ihrem Blickfeld eine Stampede vorbeizieht. Sie merkt nicht, ob das Telefon klingelt. Sie merkt nicht, wenn jemand mit ihr spricht. Sie hört nicht mal die Stimmen, die aus ihren Kopfhörern auf sie einreden. Die Kopfhörer trägt sie nicht, weil das Gehörte sie von irgendwas ablenken würde. Sie trägt sie als Begründung, falls jemand fragt ob sie ihn nicht hört. Aus irgendeinem verrückten Grund finden die Leute es nämlich besser, wenn man sagt, man habe jemand anderem in den Kopfhörern zugehört, als wenn man sagt, man habe einfach mal Pause im Kopf gemacht. Vom Leben.

Manchmal hat Lara Angst, dumm zu werden. Nicht verrückt, sondern einfach nur sehr dumm. Dass die Intelligenz aus ihr herausfällt, ohne dass sie es merkt. Schon klar, dass Intelligenz keine abenteuerlich gestapelten Bauklötze im Kopf sind, die bei einer falschen Bewegung aus den Ohren rauspurzeln. Aber es gibt Tage, an denen ist es sehr lange sehr still um Lara herum. Mit und ohne starren. Stille im Blick, im Kopf, im Herzen.

Es sind nicht die Stille an sich, die ihr Angst machen. Lara findet sie schön, beruhigend. Das, dieses Schön-Finden, das macht ihr Angst. Manchmal, kurz, lässt sie diese Angst zu. Die Angst, dass es irgendwann nicht mehr aufhört still zu sein. Dass die Stille irgendwann der Normalzustand ist. Dass sie irgendwann die Stille beenden will, aber nicht mehr kann. Weil keiner da ist, der die Stille füllt. Weil sie zu dumm geworden ist, um mit anderen zu sprechen. Wenn das Gehirn nicht benutzt wird, schläft es ein.

Die Angst aber sagt ihr, dass da noch was wach ist. Etwas, das weiter teilnehmen möchte am Leben. Nur muss es manchmal erst sehr still sein, damit sie es hört.

Aufwachen.

Aufwachen ist der kritischste Moment des Tages. In den etwa zwanzig Sekunden zwischen „Nein, ich schlafe noch!“ und „Okay, ich bin wach.“ entscheidet sich, wie sich mein Tag entfalten wird. Ich wache entweder mit Weltverbessererlaune auf – oder ich werde den ganzen Tag nicht richtig wach. Letzteres wird für alle Beteiligten unangenehm.
Mein Wecker, ein gängiges iPhone-Modell, schickt zuerst zuerst Britney Spears, dann Taylor Swift und zum Schluss Caught in the Act in den Kampf um eine Rückkehr ins Leben der Wachen. Und so habe ich direkt beim Aufwachen schon alle Nachrichten der letzten acht Stunden in der Hand und vor Augen. Das kann schon mal die gute Stimmung verderben.

Zwischen den üblichen Emails, Erinnerungen und Benachrichtigungen, die niemanden interessieren, versteckte sich neulich aber ein ganz besonderer Hinweis.

Facebook: Du wurdest von Dagmar eingeladen, der Gruppe „ABI 2007!“ beizutreten.

Au weia. Großbuchstaben und Ausrufezeichen, das ist eine Kriegserklärung.

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Lara (III)

Lara brennt. Natürlich nicht richtig, sie steht nicht in Flammen wie eine rothaarige Frau im 16. Jahrhundert. Aber sie brennt. So muss sich das Höllenfeuer anfühlen.

Die Flammen wüten nicht an, sondern in ihrem Körper. Der Brandherd liegt irgendwo hinter ihren Brüsten. Das Feuer frisst sich ohne Umschweife direkt in ihr Herz, und in nullkommanichts steht das ganze Mädchen lichterloh in Flammen. Löschen? Keine Chance. Was immer du über ihr ausschüttest, wirkt nur als Brandbeschleuniger. Immer heißer, immer heller, bis zum völligen Verglühen.

Wut ist ein Scheißgefühl, das weiß jeder. Viele Menschen sind dieser Tage so cool, dass sie Wut nur aus dem Fernsehen kennen, aber sie selbst nie empfanden. Andere, so wie Lara, rasten direkt bei einem falschen Wort aus. Trigger nennt man das. Trigger, das ist wenn die volle Kaffeetasse umkippt. Wenn jemand ihren Namen falsch ausspricht. Wenn ihr jemand die Vorfahrt nimmt. Oder wenn ein frisch lackierter Fingernagel abbricht. Kommt alles mal vor, lässt alles das Blut kochen.

Lara würde das alles lieber nicht fühlen, denn es ist sehr schmerzhaft. Es kratzt und beißt und drückt, und irgendwann platzt es und dann, erst dann, kann es endlich ausbrennen. Und am Ende steht sie inmitten von Trümmern und Asche.

Wertsachentransport

Gesundheit ist jetzt hip. Nicht wichtig, sondern hip. Also auch wichtig, aber vor allem hip.

Ich hasse hip sein.

Seit ungefähr einer Weile tut mir der Rücken weh, nicht sehr, aber doch deutlich. Es ist nicht zu leugnen: Ich werde alt. Mein Rücken musste durch viel durch, und jetzt hat er leider rausgefunden, dass er durch den Einsatz von Schmerz seinerseits eine bessere Behandlung meinerseits einfordern kann. Deshalb sitze ich hier nun mit einem Rucksack.

In den letzten Wochen ist meine wunderschöne, neue Handtasche plötzlich Gegenstand einer wiederholten Diskussion. Sie sei zu schwer, konsterniert jeder, der sie einmal versehentlich anhebt. Natürlich ist die schwer. Schließlich steckt da mein halbes Leben drin! Von ganz banalen Dingen, die man wirklich bei jedem Spaziergang dabei haben sollte, also Wertsachen wie Portmonee und Schlüssel, über Nice-to-Have’s wie Regenschirm, Buch und Einkaufsbeutel, bis hin zu meiner ganz wichtigen Schminktasche (falls man mal versehentlich eine Nacht ungeplant woanders festsitzt) mit allen möglichen Medikamenten, Kosmetika und sonstigem Lebenszubehör ist da eben alles drin, was ich brauche. Dringend brauche. Immer.

In meiner weit entfernten Jugend gab es kurz eine Phase, in der Eastpak-Rucksäcke cool waren. Natürlich hatte ich auch einen, und natürlich hing der ganz lässig tief auf einer Schulter, und nicht ergonomisch korrekt sitzend auf beiden Schultern. Zum Glück waren bald darauf – im Nachhinein betrachtet unfassbar große – Schultaschen total in, und ich konnte das Ding in die letzte Ecke meines Schrankes verbannen. Ich war eben nie ein Rucksackmädchen. Doch nun sind sie zurück, en vogue.

Sieht irgendjemand mit einem Rucksack gut aus? Es geht mir natürlich nicht vorrangig darum, gut auszusehen, aber „Wertsachentransport“ weiterlesen